BELLO-ME-NICE
Die Sonne hing wie eine goldgelb strahlende Münze über dem Meer, flimmernd, zu grell für die Augen der Kinder. Wenn sie in die Sonne sahen kniffen sie die Lider zusammen, barfuß im Sand, die Knie noch voller Salz und winziger Muschelsplitter, die beim Aufstehen herabrieselten.
Von der Promenade her drang Musik — MIO BELLO von 1982, eine Art ITALO-DISCO-SONG, mit dem Namen “BELLO-ME-NICE“ — das alte Radio krächzte, aber wir liebten diesen Klang. Dieses elektrische Zittern in der Luft, das so klang, als würde der Sommer selbst tanzen.
Neben den im Sand knieenden und kreischenden Kindern erschien, am Rand des Strandes, ein Mann, der Mann mit dem Melonenwagen.
Ein rostiges Dreirad, ein grünes Sonnendach, darauf ein handgemaltes Schild: Coco Melone – Fresco, Fresco!.
Er schnitt mit einem stumpfen Messer das saftige Rot in Stücke, ließ die Kerne herausfallen, und jedes Mal, wenn er lachte, glitzerte der Schweiß auf seiner Stirn wie Zucker.
Jeder Erwachsene erinnerte sich an den Geruch – süß, klebrig, warm.
Jedes Kind liebte das Tropfen des Melonensafts, wenn dieser beim Zubeißen sich über ihre Finger den Weg in den Sand suchte.
Das Gefühl, dass der ganze Sommer in dieser einen Frucht steckt, bleibt. Es bleibt ein Leben lang.
Und irgendwo zwischen Wellenrauschen und Synthesizerklang, der schrill plärrenden Musik, zwischen Kinderlachen und diesem Italo-Disko-Schimmer, glaubten wir Kinder, das Leben würde immer so bleiben:
Leicht.
Sonnig.
Klebrig.
Schön.
MIO-BELLO. 1982.
Der Strand, das Radio, der Melonenwagen.
Und die Kinder – Mit salzigen Lippen und einer deutlichen Melonenspur am Kinn – lachend, als wäre die Welt für diesen Moment ohne Schwere, ohne Zeitdruck, ohne Schatten.
Video und Musik von CDRowell
