„Herz“ untersucht die Spannung zwischen Offenheit und Selbstschutz – nicht im metaphorischen, sondern im materiellen Sinn. Zwei schlichte Tonformen liegen auf einer hellen, von Staub und Spuren überzogenen Fläche: oben eine unregelmäßige, nach innen gewölbte Form; unten eine nahezu perfekte Kugel. Zwischen ihnen: Raum, Leere, Atem.

Herz
Die obere Figur verkörpert das offene, verletzliche Herz – eine Form, die durch Berührung entstanden ist, sichtbar geprägt vom Druck der Finger, von Spuren und Unebenheiten. Das Material bleibt roh, unfertig, voller Risse. Die Kugel darunter steht im Kontrast dazu: ein geschlossenes Herz, glatt, kompakt, in sich ruhend – eine Form, die Stabilität sucht, aber keine Resonanz mehr zulässt.
In dieser Gegenüberstellung zeigt sich ein stilles Drama: die Evolution der Empfindsamkeit. Das Werk verweigert emotionale Aufladung und Pathos; es reduziert das Herz auf seine Substanz. Die monochrome Gestaltung – Schwarzweiß, Schatten, Tonstaub – entzieht der Szene jede dekorative Wärme. Stattdessen entsteht eine sachliche, fast klinische Betrachtung des Gefühls als physischer Zustand.
„Herz“ ist kein romantisches Symbol, sondern eine Beobachtung des Menschlichen. Es spricht von Formwerdung und Verhärtung, von der ständigen Bewegung zwischen Berührbarkeit und Abgrenzung. In seiner Reduktion liegt die Erkenntnis:
Das Herz ist kein Organ der Liebe, sondern der Formbarkeit.
Es zeigt, was bleibt, wenn Gefühl in Materie übergeht.
