Prinzipien
Dieses Werk von Ulrich Hartmann steht im Spannungsfeld zwischen Struktur und Intuition, zwischen System und Spiel – ein zentrales Thema im Denken und Schaffen Paul Klees. Der Künstler greift Klees Prinzip der „sichtbaren Musik“ auf: die Übersetzung rhythmischer, gedanklicher und emotionaler Prozesse in eine abstrakte Bildsprache.

Hommage an Paul Klee
Rasterfahndung
Die kräftigen roten Formen wirken wie archaische Schriftzeichen oder rhythmische Notenfragmente. Sie erzählen nichts Lesbares, sondern bilden eine visuelle Syntax, die sich dem rationalen Zugriff entzieht. Dazwischen leuchten gelbe Felder – Inseln des Lichts, die Bewegung, Atem und Offenheit erzeugen. Der Hintergrund aus kleinen, fein gezeichneten Quadraten stellt das ordnende Prinzip dar – das unsichtbare Raster, in dem sich alles bewegt.
Im Zusammenspiel entsteht ein dialogisches Spannungsfeld: das Rationale begegnet dem Spontanen, das Konstruktive dem Lebendigen. Wo Paul Klee noch den Weg von der Linie zum Gedanken suchte, erweitert dieses Werk den Gedanken in die Fläche – hin zu einer fast architektonischen Verdichtung.
Kontrollgewichtung
So wird die „Hommage an Paul Klee“ zu keiner Kopie, sondern zu einer Transformation seiner Ideen. Sie erinnert daran, dass Kunst nicht im Nachahmen, sondern im Weiterdenken einer Haltung besteht.
Die Komposition fragt: Wie viel Ordnung braucht das Chaos, um lebendig zu bleiben? Und zugleich: Wie viel Freiheit verträgt die Struktur, ohne zu zerfallen?
Diese Spannung bleibt unaufgelöst – genau darin liegt die Hommage: im Gleichgewicht von Kontrolle und Imagination, im sichtbaren Denken über die Bedingungen von Kunst selbst.
